Familie Buff-Kestner

30. Familientreffen in Wetzlar

Posted by j.buff - Juni 23, 2011

Wie immer in Wetzlar trafen wir uns am Nachmittag des 18. Juni im Lottehof – aber es gibt in Wetzlar auch immer etwas Neues: Zum ersten Mal begrüßte uns die neue Leiterin der Wetzlarer Museen Frau Dr. Anja Eichler, und seit 2007 ist zu den bekannten Wetzlarer Museen auch das „Viseum“ hinzugekommen. Diesmal waren rund 30 Familienmitglieder aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz angereist, also viel Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen.

Am Nachmittag führte uns Katharina Lehnert-Raabe mit Teilnehmerinnen aus ihrem VHS-Deutschkurs das faszinierende Projekt „Mein Werther – Dein Werther – Unser Werther“ vor. Bei einem Besuch mit ihren Schülerinnen und Schülern im Lottehaus im vergangenen Jahr hatte der Ausstellungsraum mit Werther-Übersetzungen das besondere Interesse der Teilnehmer gefunden. Aber man wollte die dort ausgestellten Bücher nicht hinter Glas sehen, sondern in die Hand nehmen und lesen! Und bald war die Idee geboren, in der Wetzlarer Stadtbibliothek einen Bestand aufzubauen, der jedermann zugänglich ist. Unermüdlich hat sich Katharina Lehnert-Raabe seither um die Beschaffung von Werther-Übersetzungen bemüht, über 40 verschiedene Ausgaben hat sie bisher zusammengetragen und weiß abenteuerliche Geschichten über die Beschaffung aus aller Welt zu erzählen. Wir durften die außerordentliche Sammlung von „Albanisch“ bis „Vietnamesisch“ besichtigen und in die Hand nehmen, wir sahen „Werther“ in Blindenschrift, auf Koreanisch, Latein und sogar als japanisches Manga. Das besondere Erlebnis war aber die „Werther-Lesung“ der uns bestens bekannten Stelle aus dem Brief vom 16. Juni. Zur Einstimmung wurde der Text natürlich auf Deutsch vorgetragen, und zwar von der 10-jährigen Malahat, deren Muttersprache Urdu ist. Dann hörten wir das Gleiche auf Japanisch von Atsuko Ikushima-Schäfer, auf Russisch von Tatiana Tchartchian, auf Thailändisch von Titirat Hollreiser und schließlich auf Urdu von Mussarat Siddique, der Mutter von Malahat (und auch der kleine Bruder Saphir war dabei). Zum Schluß fand sich spontan Anne du Fretay aus Paris, eine direkte Nachfahrin der Charlotte Kestner, bereit, die Stelle auf Französisch zu lesen.
„Ich fand es toll vorzulesen und fand es toll, jeden kennenzulernen“, schrieb Malahat uns ins Gästebuch, und wir werden diesen Nachmittag lange im Gedächtnis behalten. – Peter Kurzeck, 1946 als Dreijähriger aus Böhmen vertrieben, erinnert sich an die verlorene Heimat: „Die bunten Barockhäuser fingen immer an zu lächeln, sobald auch nur der geringste Sonnenstrahl darauf fiel. Als Kind denkt man, die kennen mich, diese Häuser.“ Und in diesem Sinne kennt nun auch das Lottehaus die Wetzlarer „Neubürger“.

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