Familie Buff-Kestner

Posts Tagged ‘Goethe!’

Film Goethe!

Posted by j.buff - Oktober 26, 2010

Noch ein Hinweis zum Film „Goethe!“, den wir uns wirklich alle selber ansehen sollten, um die zahllosen Rezensionen der letzten Wochen einordnen zu können.
Eigentlich „stimmt“ hier ja überhaupt nichts, aber das ist ja gerade das Schöne! Hier spielen Dichtung und Wahrheit miteinander, fast alles ist in sein Gegenteil oder sein Spiegelbild verkehrt. Und trotzdem ist eine in sich stimmige Geschichte für Kinozuschauer mit und ohne Vorwissen daraus geworden, wer hätte das gedacht.
Man sieht wunderschöne Bilder: Landschaften wie auf böhmischen Papierkrippen, Goethe und Jerusalem zu Pferde wie Old Shatterhand und Winnetou, das Puppentheater auf dem Jahrmarkt, auch eine kleine Liebesszene wie im Traum, das gruslige Reichskammergericht und der ganze Schmutz auf den Straßen, der immer mal wieder durch vorbeilaufende weiße Gänse aufgehellt wird…
Leider habe ich noch in keiner Besprechung ein Lob gelesen für die kleinen Buff-Geschwister, die Goethe die Tür vor der Nase zuschlagen („Wir geben nichts!“), und Burghart Klaußner als Heinrich Adam sollten wir eigentlich sofort zum „Familienoberhaupt ehrenhalber“ ernennen.
Das Goethe-Verwirrspiel kann auch für uns Anlaß sein zum lustigen und durchaus anspruchsvollen Rätselraten für die ganze Familie!

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Filmpremiere Goethe! am 4. Oktober 2010 im CineStar am Potsdamer Platz in Berlin

Posted by j.buff - Oktober 7, 2010

Dr. Rüdiger Fock und Sophia Charlotte Fock aus Berlin berichten über ihre Eindrücke von der Filmpremiere:

An der Premiere von Philipp Stölzls Film Goethe!, die am 4. Oktober unter großer Beachtung der Medien stattfand, durften wir als in Berlin wohnende direkte Nachkommen Charlotte Buffs und Johann Christian Kestners („Obertochter? bzw. „Alturgroßenkel“ und Autor der Familienchronik Die Kestner – eine Familie macht Geschichte(n)) (1) als geladene Gäste teilnehmen. Es sollte, so der Regisseur, ein „zugleich unterhaltsames und tiefgründiges Werk“ werden. Die Ausstattung des Films war offensichtlich sehr aufwendig, die historischen Kulissen und Kostüme stellten überzeugend die Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dar, wenn der entsprechend Vorgebildete auch das vertraute Bild Wetzlars vermisst. Denn gedreht wurde überwiegend im sächsischen Görlitz. Ein Dreh im Wetzlarer Lottehaus soll nicht ohne weiteres möglich gewesen sein, größere bauliche Eingriffe, wie sie der Regisseur für seine spektakulären Ansichten benötigte, wären am historischen Wetzlarer Lottehaus gar nicht zugelassen worden, heißt es.

Auch ansonsten geht Stölzl mit der historischen Wahrheit gelassen um. Als „Mischung aus Dichtung und Wahrheit“ sieht der Regisseur sein Werk. Eigentlich wurden in seinem Film aber drei Komponenten vermischt: 1) die historische Begegnung von Charlotte Buff, Johann Christian Kestner und Johann Wolfgang Goethe, 2) der berühmte Briefroman Die Leiden des jungen Werthers und 3) völlig frei erfundene Szenen, entstanden durch die erklärte Bemühung des Filmteams, „Mainstream“ sein zu wollen. So etwa das Duell zwischen Kestner und Goethe, das nie auch nur andeutungsweise stattfand. Völlig entbehrlich – und auch im Kontext des Films alles andere als überzeugend – aber erscheint uns die Liebesszene, in der sich Lotte und Goethe gänzlich entkleidet auf einer Laubwiese wälzen. Dass man Goethe als „Werther“ bezeichnet und Johann Christian nun nach dem Werther des Romans „Albert“ nennt, ist zweitrangig, für manchen aber sicherlich eher verwirrend.

Den Filmemachern ging es laut eigener Aussage nicht darum, „den Werther“ zu verfilmen. „Goethe!“ sei insofern keine Literaturverfilmung. Es sollte vielmehr eine Filmbiografie („Biopic“) über den jungen Goethe werden, der seine Zeit reflektiert (wie im „Werther“) und der in seinem kreativen Schaffen gezeigt wird. Und die ist ihnen, was den Goethe in seiner Sturm-und-Drang-Zeit angeht, unserer Ansicht nach sogar ganz gut gelungen. Wer sich von seinen Eltern und im Schulunterricht mit Goethes Werken geplagt sah und ihn nur als steifen Weimarer Minister und als weltweit anerkannten „Dichterfürsten“ vor Augen hatte, der sich in späteren Lebensjahren zuweilen selbst auf ein Podest stellte, bekommt ein anderes, ein lebendigeres, sympathisches und möglicherweise auch durchaus zutreffendes Bild des jungen Rebellen, der Goethe ja schließlich in seiner Jugend auch war. Alexander Fehling als Hauptdarsteller (wie übrigens auch Miriam Stein als Charlotte Buff) war unbestreitbar eine gute Wahl.

Tief gehend ist der Film jedoch nicht. Angeblich soll die Fiktion (das historisch falsche Duell) eine größere Wahrheit zum Vorschein bringen. Das tut sie aber gerade nicht. Nicht reflektiert wird nämlich die Bindungsunfähigkeit Goethes: Goethe ergriff, wie seine Biografen meinen, in dem Augenblick die Flucht aus Wetzlar, als er zu bemerken glaubte, dass der Freund Kestner womöglich bescheiden zurücktreten und ihm die Bahn freimachen könnte. Aber das wäre wohl auch viel zu differenziert für den beabsichtigten „Mainstream“. (Obwohl: Wäre das nicht gerade auch ein Thema, das die heute Lebenden besonders interessieren würde?).
Die intellektuelle Inanspruchnahme einer höheren Wahrheit für pure „action“ ist zu hoch gegriffen und unseres Erachtens auch unredlich. Bleibt noch anzumerken, dass die in die Filmdialoge eingebrachten Faustzitate doch letztlich eher peinlich berühren.

Bei unseren Bemerkungen handelt es sich lediglich um recht subjektive Eindrücke, wir sind schließlich keine gelernten Filmkritiker. Wir können zu diesem frühen Zeitpunkt auch noch kaum auf Filmkritiken anderer zurückgreifen. Chefredakteur Claus Friede schrieb bereits am 20. September 2010 in kultur-port.de: „Der Eindruck, der Film ist sehr zielgerichtet besonders für ein junges, unbedarftes Publikum gemacht, zieht sich von vorne bis hinten durch. Man merkt die Absicht und ist verstimmt, weil sie durch die Ausrichtung auf nur ein begrenztes Teilpublikum einen anderen Teil auszuschließen droht. Der Film richtet sich letztlich zu sehr „an Leute, die vorher nicht so viel mit Goethe haben anfangen können“, wie es Stölzl formuliert.“ (Recht hat er, aber so ist das nun einmal mit dem von Stölzl angestrebten „Mainstream“).

Möge sich jedoch jeder ein eigenes Urteil bilden, es gibt bessere, aber mit Sicherheit noch sehr viel mehr schlechtere Filme. Außerdem können wir auch nicht als unbefangen gelten: Die anschließende Premierenfeier mit den Filmschaffenden in der Großen Orangerie des Schlosses Charlottenburg (Premierenfotos) und die Möglichkeit eines kurzen, dafür um so freundlicheren Gespräches mit Moritz Bleibtreu, dem Darsteller Kestners, zählt schließlich zu den Erlebnissen, die man als außerhalb des Filmbetriebes Stehender nicht so häufig geboten bekommen dürfte.

Bleibtreu hatte es übrigens in der ihm zugeschriebenen Rolle schwer. Darin gleichen sich dann wieder Film und Roman, dass Kestner in beiden nicht besonders gut wegkommt. „Und das elende Geschöpf von einem Albert! Mag es immer ein eignes nicht copirtes Gemählde seyn sollen, so hat es doch von einem Original wieder solche Züge (zwar nur von der Aussenseite, und Gott sey’s gedankt, nur von der Aussenseite) daß man leicht auf den würklichen fallen kann. Und wenn Ihr ihn so haben wolltet, mußtet ihr ihn zu so einem Klotze machen damit ihr etwa auf ihn stolz hintreten und sagen könntet, seht was ich für ein Kerl bin!“ beschwert sich Kestner 1774 bei Goethe. Während die Öffentlichkeit nach Lottes Tod im Jahr 1828 die Erben, Kestners und Lottes Kinder, alsbald zur Veröffentlichung der Goethe-Korrespondenz drängte, herrschte unter diesen hierüber jahrzehntelang ein heftiger Streit, der erst 1854 durch das Erscheinen von ‚Goethe und Werther: Briefe Goethe’s, meistens aus seiner Jugendzeit‘ (2) endete. Und dann soll (laut Film) ausgerechnet Charlotte Kestner das Manuskript ohne Wissen Goethes zur Veröffentlichung eingereicht haben? Da war die filmische Freiheit Stölzls noch weitgehender als die dichterische Goethes!
Sophia Charlotte Fock und Rüdiger R. E. Fock

(1) Fock, Rüdiger R. E. 2009. Die Kestner. Eine deutsch-französisch-schweizerische Familie macht Geschichte(n). Warendorf: Schnell.
(2) Goethe, Johann Wolfgang von, u. August Kestner. 1854. Goethe und Werther; Briefe Goethe’s, meistens aus seiner Jugendzeit, mit erläuternden Dokumenten. Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta.

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Goethe! – Ab 14. Oktober im Kino

Posted by j.buff - September 8, 2010

Im vergangenen Oktober haben wir auf den neuen Film „Goethe!“ von Philipp Stölz hingewiesen – nun kann man schon einiges mehr darüber erfahren – und dann ab ins Kino!

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Film: Goethe!

Posted by j.buff - Oktober 21, 2009

Nächstes Jahr gehen wir bestimmt wieder ins Kino:

Am 12. Oktober stellte der Regisseur Philipp Stölzl („Nordwand“) in Berlin die ersten Szenen seines neuen Films „Goethe!“ vor. Thema ist Goethes Wetzlarer Zeit am Reichskammergericht und die Liebe zu Charlotte; gedreht wird in Görlitz, Quedlinburg und Bad Muskau, als Schauspieler sind dabei Alexander Fehling als Goethe, Miriam Stein als Lotte und Moritz Bleibtreu als Kestner.
Regisseur und Produzent möchten damit Goethe „entstauben“, ein Vorbild für den Film soll „Amadeus“ sein.
Die WELT bemerkt dazu: „20 Schauspieler haben Goethe in den letzten 90 Jahren im Kino verkörpert, und keiner vermochte den Muff des Respekts vor dem Dichterfürsten abzuschütteln. Vielleicht kann die Generation Praktikum etwas mit dem Gerichtspraktikanten Johann Wolfgang anfangen.“

Wir sind jedenfalls gespannt!

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